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Meldungen Archiv 2010

Meldungen Mai 2010


[English translation available]

Mit Herz und Verstand

Zum Tode von Hans Richard Stracke

„Eigentlich bin ich eine Kreuzung aus Cherubino und Taugenichts.” Das sagte einmal Hans Richard Stracke über sich, mit dem für ihn typischen Schuss Humor. Allerdings wird Stracke mit diesen Worten seinem beachtlichen Wirken als Komponist, Pianist, Organist, Klassik-Produzent, Intendant, Pädagoge und Publizist nicht gerecht. In seinem Werkkatalog finden sich zahlreiche Orgel-, Chor- und Kirchenmusiken, zudem hat er Musiktheater, Lieder und große Orchesterstücke komponiert. Als Intendant der Rheinischen Philharmonie setzte er – mit GMD Christian Kluttig – von 1986 bis 1997 kulturpolitische Maßstäbe.

1932 in Wittlich geboren, studierte Stracke von 1951 bis 1957 an der Kölner Musikhochschule katholische Kirchenmusik und Dirigieren. Es folgten Tätigkeiten als Solorepetitor, Chordirigent und Kapellmeister. Von 1986 bis 1988 unterrichtete er an der Stuttgarter Musikhochschule, seit 1988 lehrte er an der Universität Koblenz. Zu seinen Kompositionen, die in der Edition TOP MUSIC bei G. Ricordi & Co. erschienen sind, zählen der Konzertwalzer Valse arabesque für Orchester, die Motette Tropus super ‚Libera me’ (1985), die beiden Mozart-Epitaphe für Kammerensemble bzw. für Orgel, die Choralkantate Der Herr bricht ein um Mitternacht (1987), die Motette für Sopran und Kammerensemble Puer natus est, der Liederzyklus Stets wenn Jahreszeiten sind (1990) oder die Messe für alle Tage (1998).

Musik für Kinder lag ihm besonders am Herzen: Gemeinsam mit Angelika Rehm schuf Stracke das Musical Reineke Fuchs nach Johann Wolfgang von Goethe für Kinder ab 6 Jahren, zudem komponierte er 1988 die Jugendkantate Der Kinderzoo in Nirgendwo. Für sein Schaffen und Wirken wurde Stracke vielfach ausgezeichnet, darunter mit der Goldenen Schallplatte und der Peter-Cornelius-Medaille von Rheinland-Pfalz. „Hans Richard Stracke war Manager mit Herz und Verstand”, sagte 1997 die damalige rheinland-pfälzische Kulturministerin Rose Götte, als sie Stracke als Intendant der Rheinischen Philharmonie in den Ruhestand entließ: Sie traf damit zugleich den Kern seiner Persönlichkeit. Stracke verstarb Mitte Mai im Alter von 77 Jahren.



[English translation is currently not available]


Heiner Goebbels’ neue Bühnenarbeit in Zürich uraufgeführt

INDUSTRY AND IDLENESS – Szenisches Konzert von Heiner Goebbels.
Eine Kooperation von Collegium Novum Zürich und Schauspielhaus Zürich.
Gesamtkonzeption/Komposition/Szene/Raum: Heiner Goebbels, Matthias Mohr. Musikalische Leitung: Andrea Molino. Klangregie: Holger Stenschke. Licht: Frank Bittermann. Mit dem Collegium Novum Zürich und Peter Schweiger (Sprecher).
Aufführungstermine: 10. (Premiere), 12., 13., 14., 15.5.2010, jeweils um 20 Uhr im Schiffbau/Halle, Zürich.  Details..

Der Titel "Industry and Idleness" („Fleiss und Faulheit”) bezieht sich auf eine Komposition von Heiner Goebbels, die der Produktion zugrunde liegt. Gegensätze prägen das Werk von Goebbels. In seinen Arbeiten erweist er sich als ein Meister darin, Widersprüche zu erzeugen und auszubalancieren: zwischen Text und Musik, zwischen Geräusch und Klang, zwischen der Mechanik der urbanen Landschaft und den Spielräumen des Individuums, zwischen post-industriellem Umfeld und nach Glanz strebender Hochkultur… 
Auf der Suche nach Trennung und Verbindung von Akustischem und Optischem werden herkömmliche Konzertrituale aufgelöst und in eine neue Form von Aufführung überführt. Die szenische Umsetzung mit Heiner Goebbels’ Werken "Industry and Idleness – Popular Print für Ensemble" (1996/2002), "Samplersuite für Ensemble" (aus Surrogate Cities, 1994), "La Jalousie – Geräusche aus einem Roman für Ensemble" (1991) und "Herakles 2" nach Heiner Müller für sieben Instrumente (1991) eröffnet Einblicke in die Musik ohne Interpretationen und Bilder vorzugeben. Der Komponist und Regisseur Heiner Goebbels gehört zu den vielseitigsten Grenzgängern der zeitgenössischen Musik- und Theaterszene. Seit den neunziger Jahren komponierte er für verschiedenste Solisten, Ensembles und Orchester, außerdem inszeniert er seit vielen Jahren eigene Theaterkompositionen.

Gesamtkonzeption/Komposition/Szene/Raum: Heiner Goebbels, Matthias Mohr. Musikalische Leitung: Andrea Molino. Klangregie: Holger Stenschke. Licht: Frank Bittermann. Mit dem Collegium Novum Zürich und Peter Schweiger (Sprecher).Aufführungstermine: 10., 12., 13., 14., 15.5.2010, jeweils um 20 Uhr im Schiffbau/Halle, Zürich.Weitere Informationen: www.schauspielhaus.ch


Neuwirths Construction in space in Portugal

Als "Construction in space – Hommage à Naum Gabo" von Olga Neuwirth am 13. September 2001 in Innsbruck uraufgeführt wurde, waren die Zuhörer gleichermaßen angetan wie überwältigt. Seitdem hat das 45-minütige Werk für vier Solisten, vier Ensemblegruppen und Live-Elektronik zahlreiche Darbietungen erlebt. Nun zeichnet das Remix Ensemble am 5. Mai 2010 im Casa da Música in Porto für die portugiesische Erstaufführung verantwortlich. Auch mit der Komposition, die ursprünglich als Filmmusik zu "The Long Rain" von Michael Kreihsl konzipiert wurde und deren konzertante Neufassung Pierre Boulez gewidmet ist, möchte Neuwirth in unbekannte Regionen der Wahrnehmung und Klangaktion vordringen. Hierzu arbeitet die Österreicherin, die bereits Projekte mit der Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek realisiert hat, auch mit heterogenen Materialien, clusterartigen Akkordballungen und Phasen der Stille. Die Live-Elektronik sorgt dabei immer wieder für überraschende Perspektivwechsel. Die portugiesische Erstaufführung am 5. Mai in Porto dirigiert Emilio Pomàrico.

Salvatore Sciarrino dreimal in Schwetzingen

Innerhalb der diesjährigen Schwetzinger Festspiele gibt es vom 6. bis 8. Mai einen dreitägigen Sciarrino-Schwerpunkt. In drei Konzerten werden kammermusikalische, vokale und konzertante Werke des sizilianischen Komponisten vorgestellt, daneben gibt es Einführungs- und Werkstattgespräche. In jedem Konzert werden innere Bezüge oder auch Gegensätze zu Werken aus dem Barock, der Klassik bzw. der Romantik hergestellt, um so den „anderen Klang” dieses in der aktuellen Komponistenlandschaft herausragenden Zeitgenossen besser wahrnehmen zu können. Für dieses einzigartige Portrait wurden erstklassige Interpreten eingeladen. Das Freiburger ensemble recherche spielt Kammermusik, unter anderem die Klaviersonate Nr. 2, "Lo spazio inverso" für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Celesta, "Appendice alla perfezione" für 14 Glocken und "Codex purpureus" für Streichtrio. Am dritten Tag ist die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter der Leitung von Tito Ceccherini zu erleben. In "Autoritratto nella notte" und "Mozart a 9 anni" wird der orchestrale Klangzauberer Sciarrino gezeigt. Als Höhepunkt spielt die Violinistin Carolin Widmann den Solopart im Violinkonzert "Allegoria della notte".
Nähere Informationen: http://www.swr.de/swr2/schwetzinger-festspiele/

Uraufführung des gesamten Wunderblocks von Robert HP Platz

Wann und Wo? Im Mailänder Teatro Dal Verme, am 12. Mai, um 21 Uhr. Der Komponist selbst dirigiert das Mdi ensemble. Der Kammermusik-Zyklus Wunderblock wird erstmals im Kontext aufgeführt. Wunderblock umfasst die drei Stücke "Kiefer", "next" und "Sekundenstücke". Die drei Stücke können einzeln oder in jeder Kombination gespielt werden. Robert HP Platz über die kompositorische Ästhetik, die diese Stücke verbindet: „Sigmund Freud beschrieb 1925 in seiner ‚Notiz über den Wunderblock’, dass jeder Schreibvorgang aber eine wenn auch noch so schwache Spur in der Wachsplatte hinterlässt, die jeden Löschvorgang übersteht, und erkannte den Wunderblock so als ein Modell unseres Gedächtnisses in seiner Aufteilung von Kurz- und Langzeitspeicher. Alles Geschriebene tritt so in Beziehung zu vordem Geschriebenen, bildet einen virtuellen Kontrapunkt dazu, Polyphonie. So fallen hier Gedächtnis und Polyphonie ineins: Gedächtnis wird Polyphonie und umgekehrt. In meinem Zyklus "Wunderblock" versuche ich, dem nachzugehen, dem Gedächtnis mehrfach eine neue Stimme einzuschreiben und auf diese Art eine Polyphonie zu schaffen, die zum Paradigma des musikalischen Gedächtnisses wird.”

Klaus Huber-Schwerpunkt beim Mouvement-Festival in Saarbrücken

Vom 16. bis 18. Mai werden zahlreiche Werke von Klaus Huber in Saarbrücken zu hören sein. Der Preisträger des Siemens-Musikpreises 2009 ist (neben Heinz Holliger und Salvatore Sciarrino) einer von drei Komponisten, denen das Neue-Musik-Festival Mouvement in diesem Jahr gewidmet ist. Das Besondere des Mouvement-Festivals ist sein Werkstatt-Charakter, der sich unter anderem in Filmvorführungen, Werkstattgesprächen widerspiegelt sowie in der Tatsache, dass neben bedeutenden Interpreten zeitgenössischer Musik auch Solisten und Ensembles der Hochschule für Musik Saar mitwirken. Von Klaus Huber werden zu hören sein: "Des Dichters Pflug" für Streichtrio, "Ecce homines" für Streichquintett, die nahezu abendfüllenden "Lamentationes Sacrae et Profanae ad Responsoria lesualdi" für sechs Stimmen und zwei Instrumente, außerdem das Konzert für Countertenor, Violoncello, Baryton und Kammerorchester "Die Seele muss vom Reittier steigen...".
Weitere Informationen: http://www.drp-orchester.de/pages/konzertecds/festival-mouvement.php

Portraitkonzert Thomas Lauck in Basel

Der 1943 in Straßburg geborene deutsche Komponist und Augenarzt Thomas Lauck ist in der Schweizer Musikszene schon lange kein Unbekannter mehr. Am 17. Mai kommt es nun im Gare du Nord zu einem Portraitkonzert, ausgerichtet von der IGNM Basel. In seinem Schaffen, das vor allem im Bereich der Kammermusik angesiedelt ist, gibt es zwei Schwerpunkte: seine Vorliebe für die Resonanzinstrumente Schlagzeug und Klavier sowie für die menschliche Stimme. Aus diesen Antipoden – auf der einen Seite perkussive Klänge, deren Verlöschen bereits ihrer Geburt innewohnt, auf der andern Seite der gesungene Ton, dessen Länge durch den menschlichen Atem bestimmt wird – beziehen Laucks Kompositionen unter anderem ihre Spannung. Viele seiner Werke wurden durch die Malerei angeregt. "Komposition mit Blau und ..." (in memoriam P. M.) für Sopran, Schlagzeug und Tuba bezieht sich auf Werk, Theorien und Aussagen des holländischen Malers Piet Mondrian. Das Klavierstück "Resonanzen IV" würdigt das Werk des 1951 früh verstorbenen deutschen Fotografen und Malers Wols. Eine weitere Inspirationsquelle ist für Lauck die Dichtkunst. In "Trattati" für Mezzosopran und Schlagzeug vertont er Gedichte von Leonardo da Vinci und Michelangelo. 
Hochkarätige Solisten wie die Sopranistin Petra Hoffmann, der Schlagzeuger Daniel Buess, der Pianist Jürg Henneberger und der Tubist David LeClair interpretieren Laucks Kompositionen. Das Programm wird ergänzt durch Werke Mauricio Kagels, Luigi Nonos und Karlheinz Stockhausens.
Um 19:00 Uhr hält Dr. Claus Volkenandt, Privatdozent für Kunstgeschichte in Basel, einen Einführungsvortrag, bereichert um die Uraufführung der definitiven Fassung von "Linien, Farben II" für Violoncello und Klavier, interpretiert von Isabel Gehweiler (Violoncello) und Helge Aurich (Klavier).


Uraufführung von "Im Offenen" von Nikolaus Brass in Düsseldorf

Brass’ neuestes Werk "Im Offenen" ist für Violine, Kontrabass und kleines Orchester komponiert und wird am 26. Mai in der Düsseldorfer Tonhalle uraufgeführt. Die Solisten, denen das Werk auch gewidmet ist, sind Helge Slaatto (Violine) und Frank Reinecke (Kontrabass). Die beiden Musiker und der Komponist blicken bereits auf eine lange Zusammenarbeit zurück. So ist Brass’ Duo für Violine und Kontrabass "songlines IV" (2006) in enger Zusammenarbeit entstanden. Das neue Werk lotet auf behutsame Weise den von den Solo-Instrumenten gesteckten Klangraum aus, unterstützt von einem Kammerorchester, das aus einem Bläserquintett und einem chorisch besetzten Streichquintett besteht. Es spielen die Heinrich-Heine-Symphoniker unter der Leitung von Desar Suleijmani.

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