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Meldungen aktuell

Meldungen August 2011

• Uraufführung von Jean-Luc Darbellays Doppelkonzert Noori in Champéry

• Japanische Erstaufführung von Dai Fujikuras "Tocar y luchar"

• Tschechische Erstaufführung von Rolf Riehms "Wer sind diese Kinder"

• Younghi Pagh-Paan: Ein Portraitkonzert mit Uraufführung in Braunschweig

 


Uraufführung von Jean-Luc Darbellays Doppelkonzert "Noori" in Champéry (Schweiz)

Das Schweizer Musikfestival „Rencontres musicales de Champéry” findet in diesem Sommer zum 12. Mal statt. Dort ist am Donnerstag, den 4. August dem Berner Komponisten und Dirigenten Jean-Luc Darbellay eine Soiree gewidmet. Darbellay, langjähriger Vorsitzender der Schweizer Gesellschaft für Neue Musik, leitet das Ensemble instrumental Tibor Varga mit Werken von Haydn, Mozart, Grieg und Elgar. Schließlich werden seine Tochter Noëlle-Anne und sein Sohn Olivier Darbellay, beide wie ihr Vater professionelle Musiker, die Uraufführung von "Noori" für Violine, Horn und Streichorchester interpretieren.

Der Komponist vergleicht die beiden Solisten mit zwei Sternen, die um ein gemeinsames Gravitationszentrum kreisen: „Ori ist ein im Sternbild des Orion zu findendes Doppelgestirn, in dem zwei Sonnen ein gemeinsames Gravitationszentrum umkreisen. Noori ist ein Neologismus, der die Initialen von Noëlle und Olivier mit diesem erstaunlichen astronomischen Phänomen vereint. Das Stück ist eine Hommage an meine beiden Kinder, die oft zusammen spielen und den Kern des Ensemble Orion bilden.”


Das etwa fünfzehnminütige "Noori" ist eine Auftragskomposition des Kantons Wallis anlässlich der Eröffnung des „Fonds Jean-Luc Darbellay” in der Mediathek von Sitten. In der Saison 2011/2012 wird Jean-Luc Darbellay Composer-in-Residence beim Orchestre de Chambre de Lausanne sein.

Weitere Informationen unter:
www.rencontres-musicales.ch
www.jean-luc-darbellay.ch


Japanische Erstaufführung von Dai Fujikuras "Tocar y luchar"

Am 28. August findet in der Tokioter Suntory Hall die japanische Erstaufführung von "Tocar y luchar" statt. Für das im Februar 2011 in Caracas uraufgeführte Orchesterstück informierte sich der Komponist Dai Fujikura über „El Sistema”, ein öffentliches Förderprogamm in Venezuela für sozial benachteiligte Kinder. Den Kindern wird durch dieses Programm ermöglicht, ein Musikinstrument zu erlernen und in einem Orchester zu spielen: „Ich entschied, dass mein kompositorisches Konzept ähnlich wie ein Vogel- oder Fischschwarm angelegt sein sollte. Viele kleine Vögel fliegen gemeinsam und verschmelzen zu einem einzigen großen Vogel. Ich hielt es für eine großartige Idee, da ich denke, dass auch in 'El Sistema' viele Kinder unterschiedlichster Herkunft und mit verschiedenstem Hintergrund zusammenkommen. Sie alle versammeln sich an einem Ort und machen wie ein einziger Organismus Musik. Das ganze Stück ist eine einzige Melodie, die aus vielen kleinen Phrasen zusammengesetzt ist. Manchmal erklingen diese gleichgerichtet, manchmal in kontrapunktischer Bewegung, jedoch immer verbunden zu einer einzigen großen Phrase.”

"Tocar y luchar" wird in Tokio vom New Japan Philharmonic Orchestra und seinem Dirigenten Takeshi Ooi interpretiert.


Tschechische Erstaufführung von Rolf Riehms "Wer sind diese Kinder"

Eine Hölderlin-Rezitation auf Arabisch, Fetzen romantischer Klaviermusik, im Raum verteilte Orchestermusiker – Rolf Riehm hat mit seiner monumentalen Komposition für Klavier, großes Orchester und Zuspielungen "Wer sind diese Kinder" wieder so oft den Nerv der Zeit, wie auch der Musikhörer getroffen. Die Reaktionen auf das halbstündige, höchst unkonventionelle Klavierkonzert im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2009 reichten von großer Begeisterung bis zu fassungslosem Staunen.

„Das schwierige Geschäft mit der Ein-Flechtung des Gegenwärtigen in das Komponierte ist für mich angesichts der ‚gewundenen, komplizierten, rätselhaften und verzerrten Route, die die Menschheit im 20. Jahrhundert eingeschlagen hat’ (Zygmunt Bauman) unabdingbar. Der Retro-Aspekt ist ein zentrales Unterpfand von Wahrhaftigkeit in meiner Komposition. Das Stück steht z.B. praktisch in g-moll und ich weiß natürlich, dass so etwas nur geht, wenn die eingesetzten althergebrachten Elemente sich über Folgendes sozusagen im Klaren sind: Sie sind geschichtlich verortete, in ihrer unmittelbaren Wahrhaftigkeit längst verschlissene Siglen. Als ihrer Genese zeitgeschichtlich Entfremdete würden sie heutzutage kläglich scheitern.” (Rolf Riehm im Programmheft der Uraufführung).

Rolf Riehms "Wer sind diese Kinder" eröffnet in Anwesenheit des Komponisten am 28. August die Ostrava New Music Days. Das Janáček Philharmonic Orchestra wird geleitet von Johannes Kalitzke, der Pianist ist Daan Vandewalle.


www.newmusicostrava.cz/en/ostrava-days-festival/program


Younghi Pagh-Paan: Ein Portraitkonzert mit Uraufführung in Braunschweig

Am 28. August spielt das Morpheus-Ensemble ausschließlich Kammermusikwerke der in Bremen und Panicale (Umbrien) lebenden Komponistin Younghi Pagh-Paan. Im Rathaussaal der Stadt Braunschweig erklingen Stücke von den frühen 70er Jahren bis heute – ergänzt um die Uraufführung von "HANG-SANG IV" (2011) für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier.

Zu weiteren Stücken aus diesem sehr persönlichen Programm schreibt die Komponistin: „PA-MUN (1971) – das koreanische Wort heißt Wasserkräuselung – war meine letzte Komposition in Korea und diese lasse ich bis heute gelten. In meinem Flötenstück "Dreisam-Nore" (1975) (Nore = koreanisch: Lied) versuche ich mein Erleben des Flusses Dreisam, der durch Freiburg fließt, musikalisch zu gestalten. Den Titel von "AA-GA I" für Violoncello (1984) kann man nicht wörtlich übersetzen. Ich möchte diese Musik jenen widmen, die ihr Leben geopfert haben für die Wahrheit, die ihnen unausweichlich schien. "Rast in einem alten Kloster" für Bassflöte (1992/94) habe ich in memoriam John Cage komponiert.” Neuere Werke sind "Fanfare" für Klarinette (2008) und "Mich dürstet" für Klavier (2008).

Derzeit komponiert Younghi Pagh-Paan "Hohes und tiefes Licht", ein Doppelkonzert für Violine, Bratsche und Orchester, das im Rahmen der musica viva am 14.1.2012 in München zur Uraufführung kommen wird. Die Interpreten sind dann Melise Mellinger (Violine), Barbara Maurer (Viola) und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Emilio Pomáric.


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