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G. Ricordi & Co. München
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Begleitet von begeisterten Kritiken und Empfehlungen (in der FAZ, SZ) erschien vor einigen Wochen auf dem Label telos eine CD mit Orchesterwerken des Frankfurter Komponisten Rolf Riehm (*1937) (telos CD TLS 128). Ein hochkarätiger Klangkörper, nämlich das SWR-Sinfonieorchester, bietet darauf unter Leitung der Dirigenten Michael Gielen (mit den beiden Co-Dirigenten Tobias Wahren und Carmen Maria Cârneci) und Hans Zender insgesamt drei Werke dar: Die Tränen des Gletschers, Nuages Immortels oder Focussing on Solos (Medea in Avignon) und die Berceuse für Orchester mit drei Dirigenten. Gerhard Rohde in der FAZ vom 25.9.2010: „Damals, bei der Uraufführung, beeindruckten der Gebärdenreichtum und die Kraft dieser Klangsprache, die sich keiner stilistischen Richtung mehr verpflichtet fühlt. Hört man Die Tränen des Gletschers heute wieder,... so ist man geradezu überwältigt von der Aktualität dieser klanggewordenen Bildbeschreibung. Aus ferner Kälte ist eine harte, unerbittliche Klage geworden. ‚Der Gletscher weint’ über sein absehbares Ende, und Riehms Musik wirkt wie verwandelt: als ein Klagegesang aus dem Geist und dem Wissen unserer Gegenwart.”
Auf dem kleinen, aber äußerst produktiven Münchner Label NEOS erschien Mitte des Jahres eine erste CD mit Kammermusik von Nikolaus Brass (*1949). Aus dessen abendfüllendem songlines-Zyklus für Solo-Streicher erklingen die Teile Prolog, Intermission, songlines III für Viola, songlines I für Violine, songlines IV für Violine und Kontrabass, songlines V für Violoncello und der Epilog für Kontrabass. Die Musiker sind Helge Slaatto (Violine), Klaus-Peter Werani (Viola), Erik Borgir (Violoncello) und Frank Reinecke (Kontrabass) (NEOS 11021). In einer Rezension/Empfehlung in der Neuen Zeitschrift für Musik (Ausgabe November 2010) schreibt Torsten Möller: „Subjektive Kommentare der Interpreten runden im Booklet eine furiose Produktion ab. ‚Eine entrückte Musik, sehnsüchtig, intim, feinnervig, sich selbst leise zusingend’, beschreibt der Cellist Erik Borgir seine Eindrücke. Kaum etwas ist hinzuzufügen. Nur noch: Höchstnoten.”
Weitere CDs mit Musik von Nikolaus Brass sind bei NEOS in Vorbereitung, darunter eine Einspielung von Von wachsender Gegenwart für neunzehn solistische Streicher und Zeit im Grund für zwei Klarinetten und elf Streicher mit dem Klarinettenduo Beate Zelinsky und David Smeyers, begleitet vom Münchener Kammerorchester unter der Leitung von Alexander Liebreich (Produktion DeutschlandRadio Berlin). Später wird außerdem eine Doppel-CD mit beiden Streichtrios (Nr. 1 Morgenlob, Nr. 2 Glanz), dem nahezu einstündigen IV. Streichquartett und der Nachschrift für Viola und Violoncello mit Musikern des Münchner Trio Coriolis folgen.
Die inzwischen zweite Einspielung von Nikolaus Brass’ frühem Hauptwerk Trio für Klavier, Violine und Violoncello durch das Dresdner elole Trio ist (gemeinsam mit Werken von Jürg Frey und Stefan Streich) auf dem kleinen Label Beoton erschienen: Eine packende Einspielung dieses Vierzigminüters, die nach einem Konzert unter dem Motto "Struktur und Oberfläche" in der Denkmalschmiede Höfgen-Kaditzsch produziert wurde (BEOTON wo 1911).
Ebenfalls bei NEOS ist eine umfassende Dokumentation der Salzburger Biennale 2009 erschienen. Neben Neueinspielungen bedeutender Kompositionen von György Kurtág (verlegt bei Editio Musica Budapest) ist auch eine Aufnahme des Kammerkonzerts Intarsi für Klavier und 18 Instrumentalisten von Klaus Huber mit Nicolas Hodges als Solisten, dem oenm – oesterreichisches ensemble für neue musik unter der Leitung von Arturo Tamayo (NEOS 10947-50, 4 SACD) zu hören, auch dies bereits die zweite CD-Einspielung des Werks.
Eine weitere NEOS-Dokumentation auf DVD widmet sich dem Münchner musica viva Festival von 2008: Jeweils viertelstündige Fernsehfeatures bieten einen Einblick in Denk- und Arbeitsweisen der Komponisten und ihrer Interpreten anhand von Gesprächen und Konzertausschnitten. Unter den insgesamt zehn Kurzportraits finden sich u.a. auch die Ricordi-Komponisten Younghi Pagh-Paan und Enno Poppe, außerdem Iannis Xenakis, dessen Orchesterkomposition Antikhthon von Ed. Durand-Salabert-Eschig verlegt wird. Dies ist eine willkommene Ergänzung zu der zuvor auf dem Label NEOS erschienenen CD-Box zum musica viva-Festival.
Der portugiesische Komponist Emmanuel Nunes feiert im kommenden Jahr seinen 70. Geburtstag. Seit vielen Jahren verbindet ihn immer wieder eine enge Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern (das u.a. für die Uraufführungen der Werke Quodlibet, Musik der Frühe, Wandlungen und Épures du serpent vert IV gesorgt hat). In der Reihe der Solistenportraits, die die hauseigenen Ensemble Modern Medien seit gut einem Jahr herausgibt, ist nun ein Flötenrecital von Dietmar Wiesner erschienen, das – als Ersteinspielung – neben Werken anderer Komponisten auch das 1983-89 entstandene, gut viertelstündige Flötensolo Aura enthält (EMCD-011).
Eine komplett der Musik von Klaus Huber (*1924) gewidmete CD des französischen Labels erhielt unter anderem einen Sonderpreis 2010 der französischen Académie Charles Cros. Enthalten sind sämtliche Kammermusikwerke für und mit Violoncello, interpretiert von Alexis Descharmes, der hier teilweise in Mehrspuraufnahmen gleich mehrere Parts interpretiert, so in "...ruhe sanft..." (1992) für vier Violoncelli mit Stimme (in memoriam John Cage). Zwei weitere Werke aus dem Ricordi-Programm sind zu hören: Lazarus für Violoncello und Klavier (mit Sébastian Vichard, Klavier) und Rauhe Pinselspitze für Violoncello und Buk (ein koreanisches Schlaginstrument, hier intepretiert von Jean-Baptiste Leclère (aeon AECD 1089).
Von der Kammermusik für Violoncello zur konzertanten Präsentation dieses Instruments: Auf dem Label cpo ist vor kurzem das im Ricordi-Programm erhältliche viersätzige 1. Violoncellokonzert (1978/82) von Tilo Medek (1940-2006) erschienen, interpretiert von Guido Schiefen und dem Royal Philharmonic Orchestra unter Leitung von Israel Yinon. Ergänzt wird das Programm durch einige Solowerke Medeks für Violoncello (cpo 777 520-2).
Aufnahmen der fünfteiligen Orgelmesse von Friedhelm Döhl (*1936), deren drei Teile Offertorium, Agnus Dei / Torso in vier Bruchstücken (für Orgel und Stimme), Ite missa est im Verlag G. Ricordi München herausgegeben wurden, hat im Rahmen seiner inzwischen vierzehn CDs umfassenden Döhl-Edition das Label Dreyer Gaido auf den Markt gebracht (Dreyer Gaido CD 21057). Interpreten sind Zsigmond Szathmáry und Dominik Sustek an der Orgel und der Bariton/Altus Kai Wessel.
Zahlreiche neuen Komponistennamen konnten für den Ricordi-Katalog durch den Kauf der Karlsruher TreMedia Musikverlage hinzugewonnen werden, darunter der leider vor kurzem verstorbene Schweizer Franz Furrer-Münch (1924-2010), dessen konzises Konzert für Blockflöte und Kammerensemble mit dem Titel Entfalten – verweilen. Symphonische Blätter 7 soeben auf dem Label MGB (Grammont Selection MGB CTS-M 125, 2 CDs) erschienen ist. Interpretiert wird das Werk von dem international herausragenden Blockflötisten Maurice Steger, der hier vom Ensemble für Neue Musik Zürich unter Leitung von Lukas Langlotz begleitet wird.
Bereits im vergangenen Jahr bei telos kam ein Solo-Recital der Wiener Flötistin Sylvie Lacroix heraus, die hier unter anderem ein anspruchsvolles Flötenwerk des Münchner Komponisten Klaus K. Hübler (*1956) interpretiert: das ca. zehnminütige Palimpsest. Konjektionen für Bassflöte von 2003 (telos CD TLS 089).
Eine Doppel-Portrait-CD des Komponisten Thomas Bruttger (*1954) ist mit dem Ensemble Aventure auf dem Label Ars musici erschienen. Insgesamt neun Kompositionen aus der TreMedia-Reihe bei Ricordi, vom Solo bis zum Kammerorchester, sind hier versammelt: Light, Reflection (Prisma II) für fünfzehn Instrumentalisten, Zyma für zwei Schlagzeuger und Klavier, Monolith für sieben Bläser und Kontrabass, Effervescence für Akkordeon, Twilight für sechzehn Instrumentalisten, Recherche für Streichtrio, Identity and Difference für Bläsertrio, Prisma für Streichquartett und Zerklüftete Landschaft - mit 'Zwielicht' für zwei Bassklarinetten (Membran / Ars Musici No. 232827, 2 CD). Lutz Lesle resümiert in seiner mit Höchstnoten versehenen Empfehlung in der Neuen Zeitschrift für Musik (Ausgabe August 2010): „Bei Bruttger macht nicht nur der Ton die Musik, sondern entschieden auch die Pause. Und die Klangfarbe. Überhaupt die klangliche Delikatesse. Und die ‚Leisheit’ – selbst bei Titeln wie Monolith oder Zerklüftete Landschaft. Der Kölner schenkt, wonach sich eine Minderheit im globalen Tollhaus sehnt: erfüllte Stille.”
Eine weitere Doppel-CD des Schweizer Labels Claves widmet sich dem vielgestaltigen Schaffen von Jean-Luc Darbellay (*1946), darunter das gut einstündige Requiem für vier Soli, gemischten Chor und Orchester von 2001, ein Auftrag von Fabio Luisi und Chor und Sinfonieorchester des Mitteldeutschen Rundfunks. Die Solisten sind Julie Kaufmann (Sopran), Iris Vermillion (Alt), Christoph Genz (Tenor) und Markus Marquardt (Bariton). Die äußerst abwechslungsreich programmierte zweite CD der Edition enthält Einspielungen von Oyama für großes Orchester, Azur für Hornquartett, Shadows für fünf Schlagzeuger, Sozusagen für Oboe, Viola, Fagott und Gitarre, Chant d'adieux für Violine und Viola und a quattro für Hornquartett und Orchester (Claves 50-2702/03), allesamt verlegt in der Edition Tre Media bei G. Ricordi & Co. München.
Schon vor längerer Zeit erschien der Mitschnitt des gut zehnminütigen Gitarrenquartetts Aufschläge (2010) von Gerhard Stäbler (*1949) auf dem Bottroper Label maningo (maningo MR 0410 CD), interpretiert vom GuitArtist Quartet (www.guitartist-quartett.com).
Neben dem Gérard Grisey in memoriam zugedachten Durch für Saxophonquartett von Fabien Lévy (*1968), dessen Werke seit einigen Jahren bei Ricordi erscheinen, und Xas von Iannis Xenakis (verlegt von Ed. Durand-Salabert-Eschig) hat das sonic.art Saxophonquartett jüngst für die Ersteinspielung von Ondate der österreichischen Komponistin Olga Neuwirth (*1968) gesorgt. Dem laut nmz „brillierenden” Ensemble, Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs 2008, wird mit dieser Einspielung zudem „eine hoch entwickelte Klangkultur” bescheinigt (Genuin GEN 10164).
Zu guter Letzt noch der Hinweis auf einen faszinierenden Komponisten der vorletzten Jahrhundertwende, der zu Unrecht völlig in Vergessenheit geraten ist: Vladimir Rebikov (1866-1920). Eine charakteristische Auswahl seiner vielgestaltigen Klavierwerke – interpretiert von Anthony Goldstone – erschien jüngst als Vol.2 der Reihe "Russian Piano Music" auf dem Label divine art, versehen mit einem profunden Einführungstext des Pianisten (divine art CD dda25081). Die meistenteils kleinformatigen Klavierwerke bestechen durch stilistische Eigenschaften, die man heute hauptsächlich mit Komponisten wie Erik Satie, Erwin Schulhoff, Igor Strawinsky oder Henry Cowell verbindet, die aber jeweils durchaus originelle Errungenschaften Rebikovs darstellen: Die Arbeit mit Clustern, Ganztonleitern, Bitonalität, den Verzicht auf Taktstriche, absurde Vortragsbezeichnungen u.v.a. Ein umfassender Auswahlband mit Klavierwerken des Komponisten, die zu seinen Lebzeiten beim Verlag Jurgensen (Moskau/Leipzig) erschienen sind und deren Ausgaben heute zum Teil vergriffen sind, ist bei G. Ricordi München in Vorbereitung.
Derzeit beim Deutschen Musikrat in Vorbereitung befinden sich jeweils eine Portrait-CD der Komponisten Samir Odeh-Tamimi und Sergej Newski (Wergo). Die Berliner Edition RZ plant im kommenden Jahr eine Portrait-CD von Volker Heyn herauszugeben.
Nähere Informationen und Bezugsadressen:
www.aeon.fr (Huber)
www.beoton.de (Brass)
www.claves.ch (Darbellay)
www.jpc.de (Medek)
www.divineartrecords.com (Rebikov)
www.dreyer-gaido.de (Döhl)
www.ensemble-modern.com (Nunes)
www.genuin.de (Neuwirth, Xenakis)
www.maningo.de (Stäbler)
www.membran.net (Bruttger)
www.musiques-suisses.ch (Furrer-Münch)
www.neos-music.com (Brass)
www.telos-music-records.com (Hübler, Riehm)