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Luc Ferrari

Porträt

Alles im Fluss: Luc Ferraris instrumentales Schaffen (nicht nur für Profis)

Zu Ferraris Werken im Katalog des Rob. Forberg Verlages

Über Selbstverständliches denkt man nicht nach. Luc Ferrari aber verstand es wie kaum ein anderer, hinter dem Gängig-Geläufigen Fragezeichen zu setzen. Man denkt, eine ruhige Abendstimmung bietet sich nicht an für Musik oder akustische Kunst. Ferrari jedoch gewann ihr unerhört poetische Seiten ab in seinem 1970 beendeten Presque rien No. 1 ou Le lever du jour au bord de la mer. 20 Minuten lang geschieht „fast nichts“. Mal verlässt ein Schiff den Hafen, mal zirpen die Grillen, mal läuten Glocken in weiter Entfernung. In Ferraris Händen wird all das zum intensiven Hörerlebnis. Zu zwangloser Kunst.

Auch in seinem instrumentalen Schaffen zeigt sich Luc Ferrari (1929- 2005) nicht als weltferner Ästhetizist. Unbedingte Formvollendung waren ebenso wenig sein Markenzeichen wie sophistisch konstruierte Klangwirkungen. Ferraris Vorzüge liegen woanders: in freundlich der Welt zugewandten Werkkonzepten, zu denen die Symphonie inachevée für großes Orchester (1963/66, Ed. MMV 5079) und Tautologos III für ein Ensemble in beliebiger Besetzung (1970, Ed. MMV 5085) ebenso gehört wie Société II für vier Solisten und 16 Musiker (1967, Ed. MMV 5046) oder Interrupteur für Kammerensemble (1967, Ed. MMV 5047). „Was man noch musikalisches Schaffen nennt, ist nicht mehr die Sache einer Gruppe von mythischen Individuen, die eine intellektuelle Aristokratie darstellen“ so steht es im Vorwort zu Tautologos III, „sondern wird zur Sache eines möglichst großen Kreises“.

In Tautologos III ist der Gedanke der variierten Wiederholung zentral. Einzelne ausgewählte Aktionen werden von den Spielern in ihrem Charakter verändert – entweder durch andere Dauer, Dynamik oder durch andere Geschwindigkeit. Zwischen den variierten Klangereignissen lenken Pausen einzelner Stimmen die Aufmerksamkeit immer wieder auf die Aktionen anderer Mitspieler. Stets im Wandel ist das minimalistische Geschehen in Tautologos III begriffen, das ab einer Mindestanzahl von sieben Spielern aufführbar ist. Es entspricht Ferraris Demokratieverständnis, das sich sowohl musikalische Laien wie auch ein großes professionelles Orchester angesprochen fühlen darf.

Vier Jahre vor Tautologos III beendet Luc Ferrari die Symphonie inachevée für großes Orchester. Der Gedanke ständiger Transformation inklusive des bewusst „Offenen“ beherrscht auch diese „unvollendete Symphonie“, die sich kompositionstechnische Errungenschaften der 50er und 60er Jahre zu Nutze macht. Durchsetzt ist die Partitur mit graphischen Notationsformen, mit dem Verzicht auf rhythmische Festlegungen und mit bewusster Negation eines sich kontinuierlich und organisch entwickelnden Klangflusses. Die Symphonie kann auch nur in Auszügen gespielt werden – diese Version widmete der humorvolle Luc Ferrari dem Dirigenten Hermann Scherchen, der der Meinung war, dass die zeitgenössische Musik immer zu lang dauerte.

Mit der Reihe der Sociétés wollte Ferrari „etwas in Gang bringen“, sei es auch „nur“ im Bereich der „einfachsten menschlichen Beziehungen“. „Die Serie der Sociétés aber enthält keine Werke mehr, keine ästhetischen Objekte, die Werte setzen wollen, am Ende gar ewige, sondern Stücke, ich nenne sie ‚Dinge’, ‚des choses’, die etwas in Gang zu bringen versuchen – und wäre es nur im Bereich der einfachsten menschlichen Beziehungen. Sie sind nicht für die Zukunft bestimmt, sondern für die Gegenwart, erfunden aus der gesellschaftlichen Situation der Gegenwart heraus.“ (Luc Ferrari, 1970) Ein dialogisches Wechselspiel zwischen Solist und Orchester prägt Société 2 et si le Piano était un corps de Femme für vier Solisten und 16 Musiker (1967). Geräuschlastig, durchsetzt mit zahlreichen Loops und Improvisationsräumen schafft der Franzose angespannte „Situationen“, deren Energie sich aus den Interaktionen speist und somit aus der Kraft der Unmittelbarkeit.

Torsten Möller

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