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G. Ricordi & Co. München
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Als Komponist schien Vinko Globokar aus dem Nichts gekommen zu sein. Sein Erstlingswerk "Voie", das der 32jährige Posaunenvirtuose 1966 vorlegte, trägt bereits alle Merkmale eines großen Werkes. Und die klingenden Bedeutungen, die das französische Wort „Voie” enthält, sind bis heute charakteristisch für Globokars kompositorisches Oeuvre geblieben. Weg, Fährte, Spur: Stets hat er seinen eigenen Weg jenseits der Avenuen gesucht, die gerade in Mode waren. Die Stimme: Auf höchst eigenartige Weise, durch Verschmelzung von Spielen, Sprechen und Singen hat er demonstriert, dass Musik eine Sprache ist. Der Laut des Erschreckens: er ist, bei allen übrigen poetischen Qualitäten, der Grundton in den meisten seiner Stücke. Das glatte Funktionieren von Instrumenten hatte Globokar als Musiker in den unterschiedlichsten Stilen so perfekt gelernt, dass es sein dauerhaftes Misstrauen gegen alle Konventionen erweckte. Sein unverwechselbarer Beitrag zur Neuen Musik ist das ingeniöse Umfunktionieren klassischer Instrumente oder auch nichtmusikalischer Objekte. Und in seinen ersten Pariser Jahren hat Globokar rasch begriffen, dass auch die Realisation von Musik durch mehrere Interpreten ein höchst komplexer Prozess sozialer und psychischer Kommunikation ist. Dies bildet ein weiteres Zentrum seiner Inspiration.
All das findet freilich nicht im Reservat ästhetischer Glasperlenspiele statt. Globokars Musik nimmt die Welt in sich auf, um sie zu verändern. Funktion heißt sein Schlüsselwort, das für die Mittel wie den Zweck gilt. Über alle sinnlichen Erfahrungen hinaus sollen Globokars archetypischen Themen wie Macht, Emigration, Widerstand jene Nützlichkeit besitzen, die man vormals Aufklärung nannte. Voraussetzung dafür ist die Zurücknahme des eigenen Ego. Sie gelingt nur dem, der wirklich etwas zu sagen hat. Größe hat Globokars Oeuvre nicht zuletzt im Mangel an Eitelkeit, Geschwätzigkeit und Brimborium.
Werner Klüppelholz