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G. Ricordi & Co. München
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Herr Newski, am 15. September finden gleich zwei Uraufführungen statt, wenn auch in weit auseinander liegenden Städten: Moskau und Ludwigsburg. Ist für Sie die Uraufführung in Ihrer Heimatstadt Moskau etwas Besonderes?
Ja, natürlich, zumal ich in meiner Heimat zwar häufig aufgeführt werde, aber bisher kaum Aufträge von dort erhalten habe. Der Auftrag zu Opening Gesture, einem Beitrag zur Wiedereröffnung des Theaters der Nationen, hat mich deshalb sehr gefreut. Dieses Theater gibt es in Moskau schon sehr lange, es ist vergleichbar mit dem Hebbel-Theater in Berlin. Dazu kommt noch, dass die Musiker sehr gut sind – das Musica Viva Orchester ist das beste Kammerorchester in Moskau. Das Stück beginnt als Punkt auf der Bühne und weitet sich langsam spiralförmig im Raum aus. Schließlich werden die ganze Bühne, mit offener Hinterbühne, und der Zuschauersaal bespielt.
Professionelle Musiker, beziehungsweise Sänger haben Sie ja für die Ludwigsburger Uraufführung nicht zur Verfügung…
Nein, hier ist ein Laienchor beteiligt, wenn auch ein sehr guter. Bei der Musik zu Island handelt es sich um eine Mischung aus Bühnenmusik und absoluter Musik. Die Organisatoren von Musik der Jahrhunderte, für die ich bereits im Rahmen der „Jahrhundertmusik“ und auch anderen Projekten gearbeitet habe, schlugen mir vor, an einem größeren Projekt mit Laienchor teilzunehmen. Und so habe ich für den Chor des Burgtheaters Ludwigsburg die Musik geschrieben zu einer Inszenierung von „Die Nibelungen“ von Christian Friedrich Hebbel. Die Texte beziehen sich auf die altnordische Dichtung „Edda“. Die Musik selbst besteht aus mehrfach wiederholten Teilen, die mit jeweils unterschiedlichen Nebenstimmen und Nebeninstrumenten in einer Art Übermalungstechnik verändert werden.
Am 15. Oktober sind Sie dann in Donaueschingen anzutreffen, denn dort wird ihr Ensemblestück Arbeitsfläche uraufgeführt. Wie ist die Konzeption dieses Werkes?
Das Stück ist für sechs Musiker, die sich paarweise im Dreieck aufstellen. Es gibt drei Solo und drei Begleitinstrumente. Die Soloinstrumente sind: Horn, Tuba und Schlagzeug, während die Begleitinstrumente Bratsche, Kontrabass und Klavier sind. Ich arbeite hier nach einem Prinzip von sich überlagernden Zeitnetzen, d.h. jede Instrumentengruppe hat Korrespondenzen auf zwei Ebenen: auf der Klangfarbenebene – zwischen Horn und Bratsche oder Tuba und Kontrabass und zwischen Klavier und Schlagzeug – und auf der Zeitebene, d.h. es gibt Instrumentenpaare mit gleichem oder ähnlichem Einsatzabstand. Wobei die hier korrespondierenden Instrumentenpaare andere sind als auf der Klangfarbenebene, nämlich Horn und Klavier, Bratsche und Tuba, Schlagzeug und Kontrabass.
Wie in vielen meiner Werke, ist auch dies ein Versuch, ein dialektisches Verhältnis zwischen zwei formalen Ideen zu bilden, nämlich der Idee eines Kontinuums, also einer linearen Erzählung, und die der Collage, also der Zusammenstellung von heterogenen Elementen. In diesem Stück sollen diese beiden Ansätze miteinander konkurrieren, d.h. es beginnt mit einer linearen Erzählung, aber dann folgen zunehmend mehr Brüche und Pausen, bis schließlich diese Bruchstücke ein neues Kontinuum formen.
Wie kam es zu genau dieser Kombination von Solo- und Begleitinstrumenten?
Es war ein Vorschlag der Musiker des Ensembles musikFabrik. Zuerst dachte ich, das würde in dieser Instrumentierung nie wieder aufgeführt werden. Aber dann merkte ich, dass genau die Mischung dieser drei Klangfarben sehr interessant ist und dass natürlich die Arbeit mit den drei Solisten – der Hornistin Christine Chapman, dem Tubaspieler Melvyn Poore und dem Schlagzeuger Dirk Rothbrust – ungemein bereichernd war.
Nun noch zu Ihrem neuesten Musiktheaterprojekt: Sie beteiligen sich an der Produktion Robert S., die am 29. Oktober an der Oper Bonn uraufgeführt wird. In fünf Akten wird der Figur des Komponisten Robert Schumann anhand seiner fünf Lebensstationen auf die Bühne gebracht. Was hat Sie daran gereizt?
Es handelt sich hierbei um ein Gemeinschaftsprojekt, für das fünf Komponisten eigenständige Teile beisteuern – außer mir sind das Karola Obermüller, Annette Schlünz, Peter Gilbert und Georg Katzer. Normalerweise finde ich eine solche Konstellation nicht unbedingt optimal, aber in diesem Fall haben wir einige gute Kräfte, die das alles gut zusammenfügen – ein gutes Sängerensemble, das Kammerorchester Bonn unter Wolfgang Lischke und nicht zuletzt den Regisseur, Michael von zur Mühlen, der schwerpunktmäßig zeitgenössische Musiktheaterwerke inszeniert. Er hat betont, dass er das Heterogene dieser Produktion, also die Unterschiede der Komponisten dazu verwenden möchte, um das Stück gleichsam als offenen Raum darzustellen. Das heißt, jeder Teil wird auch in der Inszenierung anders behandelt. Mein Stück steht am Anfang und dauert ungefähr 20 Minuten. Ich wollte die tradierte Ouvertüren-Situation vermeiden, daher lasse ich einige Fragmente bereits während des Einlasses spielen. Die Musiker sind im Raum verteilt, es gibt also auch keine klassische Bühnensituation, wie man sie von der Oper her kennt.
Das Libretto stammt von Klaus Angermann, er verwendet Originaltexte von Robert Schumann und Richard Wagner. Wie sind Sie mit der Textvorlage umgegangen?
Ich habe 80% des Librettos gekürzt. Das bedeutet keine Missachtung des Textes, es hat vor allem damit zu tun, dass jeder Komponist anders komponiert – wenn ich neun Seiten Text vertone, dann kommt mindestens eine Stunde Musik dabei heraus. Aber das geht nun einmal nicht, wenn man einen Abend mit fünf verschiedenen Komponisten hat. Inhaltlich habe ich mich auf vier Protagonisten beschränkt: Richard Wagner im Sprechgesang, Robert Schumann wird in zwei Persönlichkeiten aufgespaltet, nämlich Florestan und Eusebius und als vierte kommt die Figur Clara Schumanns hinzu.
Postskriptum: Wer Weiteres von und über Sergej Newski erfahren möchte, dem sei die aktuelle Ausgabe der Musikzeitschrift „Positionen. Texte zur aktuellen Musik“ mit Artikeln von Newski zur jungen Komponistenszene Russlands und seine eigene kompositorische Arbeit empfohlen (Heft Nr. 88, August 2011, zu beziehen über www.positionen.net).
Sergej Newski Seite bei RICORDI München
Das Interview mit Sergej Newski führte Sibylle Kayser (2011)
15. September 2011: Ludwigsburg, Bürgertheater
"Island" (2011) für gemischten Chor Akkordeon und Schlagzeug
im Stück "Liebe, Ehre, Drachenblut",
Uraufführung
Weitere Aufführungen: 17., 23., 24., 30. September 2011 und 1., 2. Oktober 2011
15. September: Moskau
"Opening Gesture" (2011) für Solo Violine, fünf Schlagzeuger und Kammerorchester.
Elena Revich, Violine, Musica Viva Kammerorchester, Philipp Tschischevski Dirigent
Uraufführung
20. September: Berlin, BKA
"für F.G" (2010) für Akkordeon Kontrabass und Klavier
Ensemble Junge Musik, Helmut Zapf, Leitung
http://www.unerhoerte-musik.de/Dienstag_1.html
15. Oktober: Donaueschinger Musiktage
"Arbeitsfläche" (2011) für 6 Instrumente.
musikFabrik, Enno Poppe Leitung
Uraufführung
http://www.swr.de/donaueschingen
16. Oktober: Hönrath, Evangelische Kirche
3. Streichquartett (2009)
Asasello-Quartett
24. Oktober: Sankt-Petersburg, Dyagilev P.S. Festival
"Folia" (2004) Version für Bratsche und Akkordeon.
Sergej Tschirkov, Akkordeon, Mikhail Krutik Bratsche
Russische Erstaufführung
25. Oktober: Köln, WDR
"Arbeitsfläche" für 6 Instrumente.
Musikfabrik, Enno Poppe, Leitung
29. Oktober: Theater Bonn, Alter Malersaal
"Robert S."
Musikalische Leitung: Wolfgang Lischke
Inszenierung: Michael von zur Mühlen
Bühne, Kostüme und Licht: Christoph Ernst
Uraufführung
Weitere Aufführungen: 3., 6., 13., 16. November
www.theater-bonn.de
5. November: Berlin: Klangwerkstatt
"Glissade" (2009) für Flöte und Bassklarinette
ensemble Mosaik
23. November: Dresden: Sächsische Akademie der Künste
Doppelportrait Sergej Newski und Manos Tsangaris
Ensemble AuditivVokal Dresden