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Karel Reiner

Karel Reiner

Biografie

*27.6.1910 Žatec, †17.10.1979 Prag

Karel Reiner studierte zunächst Jura und wurde 1933 zum Dr. jur. promoviert. Parallel dazu betrieb er jedoch Kompositionsstudien bei Alois Hába und später in der Meisterklasse von Josef Suk am Prager Konservatorium. Zunächst etablierte sich Reiner als musikalischer Leiter des Theaters Emil František Burians in Prag. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten organisierte der aus einer jüdischen Familie stammende Reiner geheime Hauskonzerte in Privatwohnungen. 1942 entstand unter den Eindrücken der Besatzung die 2. Sonate für Klavier.

Reiners Stil zeichnete sich zeitlebens durch eine ungeheure Vielseitigkeit aus, bewegte sich in der Frühphase seines Schaffens zwischen verspielten Zwölfton- und experimentellen Klangstudien bis hin zur "athematischen Kompositionsmethode" Alois Hábas, häufig verbunden mit spätromantisch anmutenden Klangmalereien. Noch im Mai 1942 heiratete Karel Reiner die ebenfalls jüdischstämmige Hana Steinerová. Am 5. Juli 1943 wurden beide nach Theresienstadt deportiert. Auch dort engagierte Reiner sich neben seiner täglichen Arbeit in einem der Knabenheime als Pianist und Komponist in der so genannten "Freizeitgestaltung". 1944 wurde er nach Auschwitz gebracht, anschließend in das Arbeitslager Kauffering, zuletzt in das zu diesem Zeitpunkt bereits von den Amerikanern befreite KZ Dachau. Zurück in Prag, arbeitete Reiner von 1945 bis 1947 an der von Alois Hába neu gegründeter Opera 5. května (Oper des 5. Mai). 1947 bis 1949 war er als Sekretär des Syndikats tschechoslowakischer Komponisten tätig und ab 1949 als Sekretär des Verbandes tschechoslowakischer Komponisten. Nach den Ereignissen des "Prager Frühlings" 1968, enttäuscht von dem Scheitern der viel versprechenden Reformen und entsetzt von der zunehmenden Zensur, trat er 1970 aus der KPČ aus. Dies hatte ein Aufführungsverbot seiner Werke im Inland und im sozialistischen Ausland und die Forderung zur Niederlegung seiner öffentlichen Ämter zur Folge. Reiner antwortete mit kritischen Kompositionen, wir einem Liederzyklus nach Texten des systemkritischen DDR-Schriftstellers Reiner Kunze. Bis zu seinem Tod 1979 blieb Karel Reiner ein kritischer und selbstkritischer Künstler, der seinen Anschauungen auch mit den Mitteln der Musik Ausdruck zu verleihen verstand.

Anke Zimmermann (2006, aktualisiert am 15. Dez. 2009)

Portrait unter "Werkausgaben bei Ricordi München"

Werke

Reiner, Karel

Konzert für Violoncello und Orchester op. 34 [Koncert pro violoncello a orchestr] (1941-43)
3 (Picc). 2. Eh. 3. Bkl. 2. Kfg. / 4. 3. 2. 1. / Pk. 5 Schlzg. Hf. Klav (ad lib). / Streicher (mind. 8. 7. 6. 5. 4.)
Uraufführung: 3.12.2010, Prag
Sy. 5281 Part. / Sti.

Minda-Minda [Minda-Minda] (1937)
Sieben Stücke für Kinder und Klavier [Sedm skladeb pro děti pro klavír]
Uraufführung: Prag, 5.4.1946 / Dauer: 6'
Sy. 5277 *Partitur

Sloky [Strophen] (1975)
für Viola und Klavier
Uraufführung. Prag, 13.4.1977 / Dauer: 14 min.
Sy. 5360 *Partitur

Sonata brevis op. 39 (1947)
für Violoncello und Klavier
Uraufführung: 26.03.1947, Prag / Dauer: 10'
Sy. 5286 *Partitur / *Sti.

Zwei Kompositionen (1967)
für Saxophon und Klavier
Uraufführung: 03.12.1967, Prag / Dauer: 9'
Sy. 5250 *Partitur / *Sti.

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